EURO am Sonntag, 24.08.2003

Der Krankenversicherungsexperte Udo Funke beantwortet Leserfragen

Frage: Ich bin Beamtenanwärterin und seit drei Jahren bei der xxxxx versichert. Jetzt hat man mir geraten zu einer anderen Gesellschaft zu wechseln. Macht das Sinn?

Antwort: In den ersten fünf Jahren der Mitgliedschaft kann ein Wechsel noch Sinn machen. Denn dann sind noch keine hohen Sparbeträge angesammelt. Allerdings muss der Wechsel Sinn machen, denn sie verlieren in jedem Fall die zehnprozentige Altersrückstellung. Bei der xxxxx habe ich da meine Zweifel, ob ein Wechsel ratsam ist: Das Unternehmen gehört zu den günstigsten, ist kein kleiner Anbieter und die Geschäftszahlen sind tadellos. Bei Anbietern mit günstigeren Tarifen gibt es oft kleine Schatten. Die Tarife sind jung, die Mitglieder also noch nicht so alt, dass sie vermehrt Ansprüche stellen. Oder die Geschäftszahlen lassen zur Vorsicht raten.


Frage: Worauf muss ich bei der Auswahl einer privaten Krankenversicherung achten?

Antwort: Lassen sie sich nicht allein von günstigen Prämien verführen. Viel wichtiger ist, dass die wichtigen Leistungen optimal abgesichert sind. Dazu sollte die Gesellschaft gute Unternehmenskennzahlen liefern, lange im Markt sein und nicht mehrere Tarife geschlossen haben. Denn sonst droht die Gefahr, dass Mitglieder ungünstiger Policen in Ihren Tarif wechseln. Folge: die Quote an Risikopatienten steigt, die Prämien mit.


Frage: Ich (w) bin gerade 60 Jahre alt geworden und aus dem Ausland zurückgekehrt. Jetzt bin ich bei der xxxxx versichert und zahle fast 500 Euro im Monat. Kann ich zu einem günstigeren Anbieter wechseln?

Antwort: Wenn sie gesund sind, ist das grundsätzlich noch möglich. Allerdings sind Versicherungen bei älteren Interessenten sehr wählerisch. Viel Zeit dürfen Sie sich aber nicht lassen: Mit 60 Jahren sind nur wenige Gesellschaften noch bereit, jemanden aufzunehmen. Bei Zusatztarifen ist mit 65 Jahren Schluss. Eine andere Möglichkeit den Beitrag zu dämpfen ist bei sehr vitalen Menschen, die nur selten krank sind, eine hohe Selbstbeteiligung zu vereinbaren.


Frage: Ich (weiblich, 45 Jahre) bin seit zwei Jahren selbständig und habe meiner Kasse gekündigt. Mein Mann bleibt gesetzlich versichert, Kinder habe ich keine. Macht es Sinn, in die PKV zu wechseln?

Antwort: Mit etwa 20 Jahren Abstand zum Rentenalter haben Sie gerade noch genug Zeit, für ausreichende Rückstellungen zu sorgen. Voraussetzung dafür, dadurch Beitragserhöhungen abzufangen, ist zudem, dass sie zu einer guten Gesellschaft wechseln. Dann gibt es zusätzlich noch zwei andere Fragen zu klären. Sind sie so gesund, dass Sie ohne Risikozuschläge in die PKV wechseln können. Und: Ist ihr Job so sicher, dass Sie dauerhaft so viel verdienen, dass sie in der GKV den Maximalbeitrag für freiwillige Mitglieder bezahlen. Wenn Sie daran zweifeln ist ein Umstieg zu riskant und zu teuer.


Frage: Ich (weiblich, 29 Jahre) bin seit einem Jahr bei der xxxxx. Nach einer Ohrenoperation muss ich jetzt, weil ich bei den Gesundheitsfragen den Besuch beim HNO-Arzt nicht angegeben habe, Risikozuschläge zahlen. Insgesamt komme damit über den Beitrag in der GKV. Was raten Sie mir?

Antwort: Zuerst einmal sollten Sie ihren Betreuer in die Pflicht nehmen. Denn der sollte Ihnen eigentlich helfen, solche Fehler zu vermeiden. Im Nachhinein kann dieser nur mit der xxxxx verhandeln, den Risikozuschlag auf die Hälfte zu verringern. Nach drei Jahren kann man ihn auch ganz wegbekommen, wenn Sie ein gutes Attest beibringen. Dazu könnten Sie auch die aktuelle Prämie senken, indem Sie in einen Tarif mit Selbstbehalt wechseln, beim A80 beispielsweise zahlen sie maximal 500 Euro. Allerdings sollten Sie dann alle ambulanten Untersuchungen möglichst noch in dieses Jahr vorziehen. Durch einen Wechsel der Gesellschaft gewinnen Sie nicht viel, denn dort verteuert jetzt die Operation ihre Prömie in jedem Fall, zumal der Anbieter stimmt und Verhandlungen nicht sofort abblockt.


Frage: Ich (weiblich, 32 Jahre) bin seit vier Jahren bei der xxxxx privat versichert. Gibt es etwas zu beachten, wenn ich in ein zwei Jahren Kinder bekommen will?

Antwort: Ja, Sie können einige Zeit bevor Sie schwanger werden in einen besonderen Tarif VF wechseln. Der Vorteil: Dort sind sie sechs Monate beitragsfrei gestellt. Bereits werdende Mütter werden aber nicht in diesen Tarif aufgenommen.


Frage: Ich bin 51 Jahre alt und überlege mir in die private zu wechseln. Geht das noch?

Antwort: Das macht wenig Sinn, es sei denn Sie erwarten enorme Einnahmen im Rentenalter. Zumal Ihr Krankenversicherungsschutz in der PKV kaum billiger wird. Vernünftiger ist es, Sie wechseln in eine günstige Betriebskrankenkasse und nutzen die Beitragsersparnis für eine Zusatzversicherung. So ist eine Zusatzversicherung für Zahnersatz bei der xxxxx schon ab 16 Euro im Monat zu bekommen.


Frage: Ich (weiblich, 47 Jahre) bin in einer BKK versichert, habe eine Tochter und will wechseln. Lohnt sich das?

Antwort: Vom Alter her ist es die äußerste Grenze. Aus meiner Sicht sind 20 Jahre Rückstellungen das Minimum. Ansonsten hängt Ihre Entscheidung auch noch davon ab, wann sich Ihre Tochter unabhängig von Ihnen versichert und wie hoch Ihre Einnahmen im Rentenalter sind.


Frage: Ich bin bei der xxxxx versichert. Meine Frage, ob mein Versicherer die Kosten für eine besondere Behandlung übernimmt, hat man mir am Telefon brüst abgelehnt. Kann ich da noch etwas machen?

Antwort: Schalten Sie Ihren Versicherungsmakler oder -vermittler ein. xxxxx ist bekannt für ihre günstigen Tarife - und für knappe Abfuhren. Denken Sie daran, dass ein Vermittler auch Bestandsprovisionen bekommt. Das Geld sollen sie sich auch verdienen. Dann stehen Ihre Chancen nicht schlecht.


Frage: Ich (männlich, 43 Jahre) bin das dauernde Kürzen in der GKV leid und möchte mit Frau und zwei Kindern von der Techniker Krankenkasse in die private wechseln. Was raten Sie mir?

Antwort: Für Sie allein wäre ein Wechsel gerade noch vertretbar. Mit Frau und Kindern wird es aber sehr teuer, wenn vorher alle bei ihnen mitversichert waren. Hier macht es mehr Sinn für die ganze Familie Zusatzversicherungen abzuschließen.


Frage: Ich bin 74 Jahre alt, habe keinerlei Wehwehchen und möchte mich privat versichern. Welche Gesellschaft empfehlen Sie?

Antwort: Ich muss Sie leider enttäuschen, in Ihrem Alter sind Sie bei keiner Gesellschaft mehr unterzubringen, selbst wenn Sie kerngesund sind.

04.07.2007