PKV-Neugründer
Versuchung und Risiko zugleich!

Bereits seit einigen Jahren verzeichnen die Neugründer der PKV überdurchschnittliche Wachstumsraten. Bei der Betrachtung von Marktanalysen scheint dies nur allzu verständlich. Locken doch gerade Neugründer mit Beiträgen, die unter dem Marktdurchschnitt liegen. Kein Wunder also, wenn einige Kunden vermuten, dass junge Unternehmen einfach besser kalkulieren als etablierte.

Die etablierten Anbieter verweisen in derartigen Diskussionen auf die Kurzfristigkeit des Beitragsvorteils und auf die noch fehlenden oder als minimal zu bezeichnenden Rückstellungen der Neugründer. Denn, so prophezeien sie, irgendwann ergibt sich auch bei einem Neugründer ein Anpassungsbedarf. Doch dann stehen keine Mittel zur Verfügung, um die Beitragsfolgen für Bestandskunden durch die Verwendung von Einmalbeträgen abzudämpfen. Der Beitragsvorteil wäre mit einem Schlag mehr als weg.

Gerade dem Laien erscheint diese Argumentation fragwürdig, denn während die Neugründer auf „seit Tarifeinführung stabile Beiträge“ hinweisen, verzeichnen die etablierten Anbieter in den letzten Jahren nahezu ausnahmslos jährliche Anpassungen. Von derartigen Gedanken geleitet, entscheidet sich dann so mancher Kunde für einen Neugründer.


Das Schwankungsrisiko Neugründer: Für Insider durchschaubar

Dass Kunden von Neugründern über kurz oder lang unweigerlich mit den Beitragskonsequenzen des Schwankungsrisikos konfrontiert werden, liegt aus kalkulatorischer Sicht auf der Hand. Dem Insider sind die Hintergründe bekannt.


Unrealistische Anfangssituation bei vertragsjungen Beständen

Junge Versicherungsbestände zeigen unrealistische Schadensituationen. Fast alle stark leistungsbeanspruchenden Krankheiten (Rheuma, Nierenversagen, Allergien, Neurodermitis) haben mehrjährige Latenz- und Inkubationszeiten und kommen in vertragsjungen Beständen schon wegen der Alterstruktur überhaupt nicht vor.

Nicht umsonst gilt die Faustregel, dass ein Versichertenkollektiv seinen ehrlichen Preis erst zeigt, wenn eine durchschnittliche Bestandsdauer von annähernd sieben Jahren erreicht ist.


Statistisch unausgereifte Bestände

In den neu eingeführten Tarifwerken sind nicht in allen Altersgruppen Kunden vorhanden. Unter 400 Versicherten je Altersstufe sind Preiskalkulationen sehr schwankungsanfällig. Der statistische Stabilisierungseffekt aufgrund des Gesetzes der großen Zahl fehlt.


Die Folgen, ein Effekt wie bei hohen Disagio-Finanzierungen:

Realistische Anpassungen, die nicht zuletzt auch der Finanzierung einer ausreichenden Alterungsrückstellung dienen, sind anfangs unterdrückt, müssen jedoch später mit empfindlichen Anpassungsraten nachgeholt werden.


Das Schwankungsrisiko Neugründer - das Disagio der PKV?

Eigentlich eine paradoxe Situation. Während sich Kunden beispielsweise mit der Auswahl der richtigen Baufinanzierung oft tage- und nächtelang mit allen möglichen Kriterien beschäftigen, entscheiden sie sich bei dem Abschluss einer privaten Krankenversicherung oft nur anhand der aktuellen Beitragssituation für ein Unternehmen.

Dabei geht es doch bei dem Abschluss einer privaten Krankenversicherung letztendlich um eine ähnlich hohe und in der Regel sogar lebenslange Finanzierungsfrage - der Finanzierung von Gesundheitskosten.

Eine Bindung an den falschen Partner aufgrund von beitragsbedingten Anfangsvorteilen führt langfristig zu ähnlich unangenehmen Folgen, wie eine Annuitätenfinanzierung mit hohem Disagio und kurzen Zinsbindungsfristen. Wobei ein Disagio wenigstens noch steuerliche Vorteile mit sich bringt und dem Kunden von Anfang bekannt ist.


Das Schwankungsrisiko Neugründer - für Vermittler eine Aufklärungspflicht

Damit der Spruch „Billig angefangen und doch nichts gespart“ nicht zur traurigen Kundenwirklichkeit wird, reicht es heute bei weitem nicht mehr aus, Preise und Leistungen zu vergleichen. Von der Preis- /Leistungsfrage sollte daher anhand von Langfristigkeitsreferenzen (z.B. Vertragsverläufe - je länger um so aussagekräftiger) die Wahl des richtigen Unternehmens getroffen werden.

Kunden, die sich dann trotz fehlender Langfristigkeitsreferenzen für Neugründer mit unausgereiften Beständen und dem damit verbundenen Schwankungsrisiko entscheiden, können dann für den Berater zumindest nicht zum Haftungsrisiko werden.

27.04.2009